die hospiz zeitschrift – Ausgabe 70

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Schwerpunktthemen
4. Oktober 2016

die hospiz zeitschrift Ausgabe Nr. 70 (03/2016)

Liebe Leserinnen und Leser,

Wissenschaft und Praxis pflegen seit jeher ein prekäres Verhältnis zueinander. Da finden sich z. B. hochgesteckte Erwartungen so mancher Praxis an ‚die Wissenschaft‘ genauso wie vermeintlich segensreiche Verheißungen, auf die die Praxis hoffen darf und die nicht selten aus Eigeninteressen von Seiten der Wissenschaft in die Welt gesetzt werden. Und es finden sich bis heute gepflegte Klischees: weltfremde Theoretiker und verschrobene Forscher stehen besserwissenden, weil erfahrungsgesättigten, anwendungsorientierten Praktikern gegenüber; oder anders herum: nur der Vernunft und wissenschaftlichen Wahrheit verpflichtete methodische Forschung kann unreflektierte Praxis überwinden, die sich dem Neuem und damit Besseren schon aus bequemer Routine verschließt.

Zu fragen ist, wie sich Wissenschaft und Praxis dort zueinander in Beziehung setzen, wo es um den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer geht, wo ‚die Praxis‘ zunächst und vor allem nichts anderes ist als unser Konfrontiert-Sein mit der existenziellen Erfahrung der Endlichkeit des Lebens – als Gesellschaft insgesamt, als ehren- oder hauptamtliche Hospizler, Palliativ-Profi, Wissenschaftler, Angehöriger oder einfach nur: als Mensch.

Zu fragen ist: Wieviel Wissenschaft braucht Hospiz? Umgekehrt: Warum Hospiz wissenschaftlich beforschen? Vielleicht sind aber bereits diese Fragen, in der Art und Weise, wie sie Praxis und Wissenschaft voneinander trennen, für den Hospizbereich irreführend gestellt?

Eine Diskussion erscheint umso drängender, als gegenwärtige Entwicklungen den Eindruck einer forcierten Verwissenschaftlichung vermitteln, die auf Kosten von Hospiz als bürgerbewegter Praxis nah am Alltag der Menschen gehen könnte. Vor diesem Hintergrund versammelt das vorliegende Heft verschiedene Beiträge zum Verhältnis von Wissenschaft und Praxis im Bereich von Hospizarbeit und Palliative Care bis hin zu Fragen nach der Vermittlung von wissenschaftlichem Wissen an die Praxis und der Beteiligung von (ehrenamtlichen) Praktikern an der Produktion von wissenschaftlichen Erkenntnissen über ihre Praxis.

Zu hoffen bleibt, dass das vorliegende Heft Neugier und Lust am Entdecken von und am Beteiligen an Wissenschaft vermittelt sowie wissenschaftliche Zugänge in die Praxis erschließt. Vor allem aber soll eines befördert werden: die Auseinandersetzung damit, wie viel und insbesondere welche Wissenschaft für die Praxis von Hospizarbeit und Palliative Care sinnvoll und erhellend erscheint.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren für ihr engagiertes Mitwirken!

Ihre
Werner Schneider

Wissenschaft versus Praxis?
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