die hospiz zeitschrift – Das Sonderheft Ausgabe 67

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1. Juli 2015

die hospiz zeitschrift Ausgabe Nr. 67 (05/2015)

Liebe Leserinnen und Leser,

als vor anderthalb Jahren der Passus „Zu einer humanen Gesell- schaft gehört das Sterben in Würde. Wir wollen die Hospize weiter unterstützen und die Versorgung mit Palliativmedizin ausbauen“ Auf- nahme in den aktuellen Koalitionsvertrag fand, war das ein großer Erfolg und Grund zu Freude und Optimismus für alle in der Hospiz- und Palliativarbeit Tätigen. Seither ist viel passiert. Zum einen be- gleitet uns bis heute eine intensive Diskussion über den Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben und Tod. Befeuert wird diese Dis- kussion zum anderen durch politische Entscheidungen wie die des belgischen Senats, auch Minderjährigen ein Recht auf Tötung auf Verlangen zuzusprechen. Oder persönliche Schicksale wie der assi- stierte Suizid der Amerikanerin Brittany Murphy, durch die Kampa- gne Compassion & Choices öffentlichkeitswirksam begleitet. Politische Höhepunkte waren Anfang 2013 die Ankündigung von Gesundheitsminister Hermann Gröhe, gewerbliche Formen der Bei- hilfe zum Suizid unter Strafe zu stellen, die mit Spannung erwartete erste Orientierungsdebatte zum Thema Sterbehilfe im Bundestag am 13. November 2014 sowie die Vorlage eines Hospiz- und Palli- ativgesetzes durch das BMG im März 2015. Der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) hat zu diesen Entwicklungen jeweils deutlich Stellung bezogen.

Mit dieser Sonderausgabe der hospiz zeitschrift möchten wir – ne- ben grundlegenden juristischen Klärungen – insbesondere ausge- wählte ethische, praktische und gesellschaftliche Dimensionen der aktuellen Debatte beleuchten. Die Diskussion in Deutschland ist keine rein strafrechtliche und auch keine rein politische Debatte und darf nicht auf diese Aspekte beschränkt bleiben. In dem vor- liegenden Heft verhandeln wir grundsätzlich den gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit und Sterben. Organisierte und gewerbliche Formen der Beihilfe zum Suizid oder die ärztliche Beihilfe zur Selbst- tötung als gleichwertige Alternative und Behandlungsoption wider- sprechen dem Prinzip einer sorgenden und solidarischen Gesell- schaft. Menschen brauchen bei schwerer Krankheit und im Sterben Beistand und Unterstützung sowie umfassende Versorgungs- und Begleitungsangebote zeitnah an jedem Ort in Deutschland. Nur so wird glaubhaft, dass auch schwerstkranke, sterbende und an De- menz erkrankte Menschen Teil der Gesellschaft sind, die in ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen werden.

Zu den einzelnen Beiträgen: Staatssekretärin Annette Widmann-Mauz sieht die solidarische Pflicht der Gesellschaft mit dem neuen Hospiz- und Palliativgesetz auf einem guten Weg. Gegenüber der organisierten Selbsthilfe hegt sie Skepsis und lehnt darüber hinaus ein Sonderstraf- recht für Ärztinnen und Ärzte oder Pflegende ab. Ohne ehrenamt- liches Engagement läuft allerdings auch das beste Gesetz ins Leere.

Wolfgang Putz erläutert grundlegende straf- und ärztlich-standes- rechtliche Aspekte zur Suizidbeihilfe. Was ist teilweise oder vollkom- men verboten? Was ist erlaubt?
Giovanni Maio differenziert zwischen Abwehrrecht und Erfüllungs- recht. Mensch sein, überdies, beinhaltet Abhängigkeit per se.

Gian Domenico Borasio mahnt die verzweifelte Hoffnung Schwerst- kranker an, die von der Gesundheitsindustrie bewusst instrumenta- lisiert werden.
Werner Schneider erläutert die gesellschaftlichen Hintergründe der aktuellen Diskussion zu Sterbehilfe und Sterbebegleitung und mögliche Folgen der Legalisierung von organisierter Sterbehilfe aus soziologischer Perspektive.

Thomas Klie und Andreas Kruse sowie weitere Unterzeichner rufen in einem Memorandum zu einem grundsätzlichen Verzicht auf jede gesetzliche Regelung zum assistierten Suizid auf, würde diese als eine ‚Debatte der Starken‘ doch von der nötigen politischen Auf- merksamkeit gegenüber den Schwachen eher ablenken.

Die Erfahrungen der „Hospizpraktikerin“ Susanne Kränzle zeigen, dass die Sterbehilfewünsche gegen null gehen, wenn eine umfas- sende Palliative Care gegeben ist. Darüber hinaus bietet Palliative Care auch den Angehörigen umfassende Unterstützung, ebenso wirkt sie positiv auf alle beruflich und ehrenamtlich am Sterbe- prozess Beteiligten. Gerade deshalb darf die Verfügbarkeit dieses Versorgungsangebots nicht dem Zufall überlassen werden, sondern muss weiter systematisch ausgebaut werden.

„… aktive Sterbehilfe würde ich jetzt nicht so toll finden, dass jemand eine Spritze gibt“ ist ein aufschreckendes Zitat aus der Perspektive von Kindern. Ein Beitrag von Wolfgang Beer und Edith Droste.

Wir danken allen Autorinnen und Autoren sehr herzlich dafür, dass sie ausnahmslos unserer Bitte zur Mitwirkung an einer weiteren, der aktuellen Situation geschuldeten Hospizzeitschrift nachgekommen sind. Ihnen wünschen wir eine spannende Lektüre!

Sterbehilfedebatte
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