NEU: Fachzeitschrift Palliative Geriatrie 04/2020

 

 

Was ist Selbstbestimmung und vor allem wo und wie möchte ich Selbstbestimmung leben?

Marina Kojer stimmt mit einem wunderbaren Beispiel aus Ihrer langjährigen Erfahrung auf diese Problematik ein.

Selbstbestimmung und Demenz, diese beiden Themen schließen einander nicht aus. Hedwig Neu berichtet darüber.

Selbstbestimmung und Care-Ethik passt das zusammen? Ja und Katharina Heimerl bringt uns dieses Spannungsfeld näher.

Leider oftmals nicht geschätzt und nicht angefragt – das Ehrenamt im Altenheim – und bei Menschen mit Demenz. Doch zwei Ehrenamtliche aus einem Wiener Altenpflegeheim berichten über ihre sinnstiftenden Besuche dort.

Selbstbestimmung wird oftmals mit dem Recht in Verbindung gebracht – wir haben ein Recht auf Selbstbestimmung. Und dann kommt die Gebrechlichkeit – und die Hilfe und die Fürsorge der anderen. Selbstbestimmung und Fürsorge werden dadurch als Gegner gesehen – doch sind können Partner sein. Wie? Lesen Sie dazu Ralf Jox.

Ursa Neuhaus betrachtet dieses Spannungsfeld aus nächster Nähe, ganz praktisch, ganz persönlich.

Verena Winiwarter beschreibt einfühlsam, wie sehr alte Menschen auch durch ihre Umwelt an einem selbstständigen Leben gehindert werden. Ein Apell, den wir hören und uns immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten.

Nicht zu vergessen: unser palliativgeriatrischer Pflegetipp, in dieser Ausgabe haben wir zwei für Sie.

 

Haben wir Ihre Leselust geweckt? Dann bestellen Sie noch heute.

Niederlande

 

In den Niederlanden gibt es ernsthafte Bestrebungen die Sterbehilfe auszuweiten. Die gesetzlich erlaubte Sterbehilfe soll zukünftig nun auch bei Kindern im Alter unter 12 Jahren möglich werden. Dies teilte der Gesundheitsminister Hugo de Jong im niederländischen Parlament mit.

Bisher war diese Altersgruppe von der gesetzlich geregelten Sterbehilfe ausgeschlossen. Der Hinweis des Ministers, die Kinder müssten ihre Einwilligung geben – lässt absolut nichts Gutes erahnen.

Das Gesetz soll dafür nicht geändert werden, allein die Strafverfolgung für Ärzte, die diese Sterbehilfe leisten werden, soll ausgesetzt werden. Bei Kindern soll als „Voraussetzung“ eine unheilbare Erkrankung vorliegen. Müssen wir hier ein „noch“ hinzufügen?

Aber es melden sich auch andere Stimmen in den Niederlanden.

Theo Boer, Professor für Gesundheitsethik an der Protestantisch-Theologischen Universität Groningen war neun Jahre Mitglied der niederländischen Prüfungskommission, die über die Rechtmäßigkeit von aktiver Sterbehilfe urteilt. Er gehört dieser Kommission nicht mehr an und wie er selbst in einem ZEIT-Interview betonte, sei er auch über dieses Ende erleichtert. Während seiner Tätigkeit als Mitglied der Prüfungskommission sei er zu dem Schluss gekommen, dass bei steigenden Anträgen in zunehmendem Maße Sterbehilfe nicht angebracht sei. Es habe sich etwas verschoben in den Niederlanden; ursprünglich sollten Menschen vor einem schrecklichen Sterben bewahrt werden, inzwischen wolle man sie von einem schrecklichen Leben erlösen.  In einem Interview im Deutschlandfunk äußerte er zudem, dass er glaube, das Angebot erzeuge die Nachfrage. Selbstbestimmtes Sterben sei für manche ein synonym für würdiges Sterben geworden. Aus Boers Sicht werde das „registrierte Sterben,“ wie er es nennt, zur Norm, denn er rechnet die palliative Sedierung zu diesem „registrierten Sterben“. Fünf Prozent der Menschen in den Niederlanden sterben laut ihm durch aktive Sterbehilfe und 20 Prozent durch palliative Sedierung.* Somit sterben aus seiner Sicht 25 Prozent der Menschen in den Niederlanden nicht mehr eines Todes ohne „Hilfe“.

Noch erschreckender sei die Zahl derjenigen, die nicht an einer unheilbaren tödlichen Krankheit, sondern am Leben leiden würden und deshalb aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchten, so Boer weiter. Das seien Menschen, die sogar noch Jahrzehnte leben könnten. Während des Interviews zitierte Deutschlandfunk eine Studie der Universität Utrecht, die besagt, dass viele Menschen zwischen 55 und 65 diesen Sterbewunsch hätten. Laut Boer führte diese Studie zu dem Gesetzesvorschlag der Liberalen im Parlament, dass grundsätzlich alle Menschen ab 70 Jahren, die lebensmüde seien, aktive Sterbehilfe beanspruchen könnten.

Boer kommentiert dies so: „Ich glaube, das hat viele von uns zum Nachdenken gebracht.“

Sollten wir darauf nicht antworten: „Erst jetzt?“

Mehr dazu, leider nur in Englisch, ein Interview mit Prof. Theo Boer auf YouTube:

*Boer stellt dabei die These auf, dass bei der palliativen Sedierung der Arzt den Menschen in ein Koma versetze, wo er innerhalb einer Woche sterbe.

Neuseeland

 

Das Thema Sterbehilfe scheint nur noch eine Richtung zu kennen: Legalisierung.

In Neuseeland gab es nun ein Referendum für die Legalisierung von Sterbehilfe. Mehr als 65 Prozent der abgegebenen Stimmen votierte für eine Regelung, die die aktive Lebensbeendung unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Zwei Ärzte müssen bescheinigen, dass die Betroffenen unheilbar krank sind und nur noch eine maximale Lebenserwartung von sechs Monaten angenommen werden kann. Liegen diese Voraussetzungen vor, wird ein medizinisch begleiteter Suizid legal.

Das Gesetz soll im November 2021 in Kraft treten.

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