Palliativversorgung auf dem Prüfstand

Was uns die Daten von pallCompare verraten

Wie bedarfsgerecht ist die Versorgung am Lebensende in Deutschland wirklich? Das Forschungsprojekt pallCompare hat bislang bundesweite Abrechnungsdaten von rund 800.000 (Barmer) Versicherten für den Zeitraum 2016-2022 analysiert. Die Ergebnisse bieten spannende Einblicke in die tägliche Arbeit vor Ort und zeigen auf, wo das System hakt – und wo wir bereits „Good Practice“ erleben.

Eine Kernfrage: Kommt die Hilfe rechtzeitig an?

Die Studie zeigt eine ernüchternde Tendenz: Palliativversorgung setzt immer noch oft erst spät ein. Im Jahr 2022 lag der Median für den Beginn der Versorgung kurz vor dem Tod:

  • Hospiz: 15 Tage
  • stationäre Palliativversorgung: 19 Tage
  • SAPV: 24 Tage
  • AAPV (Hausärztlich): 43 Tage

Gesprächsgestaltung am Lebensende

19,80 

inkl. MwSt.
zzgl. Versandkosten

ISBN 9783946527749

Das bedeutet, je später die Begleitung beginnt, desto schwieriger ist es, belastende Behandlungen oder unnötige Krankenhauseinweisungen in der finalen Phase zu vermeiden.

Erkenntnisse für die Hospizpraxis

  1. Sicherheit verhindert Notfälle: Ein zentrales Ergebnis ist, dass nicht die Schwere der Symptome allein über eine Krankenhauseinweisung entscheidet, sondern das Sicherheitsempfinden der Angehörigen und Pflegenden. Eine vorausschauende Planung und die Gewissheit, im Notfall jemanden erreichen zu können, sind die besten Mittel gegen unnötige Rettungseinsätze.
  2. Regionale Unterschiede: Ob jemand SAPV, AAPV oder einen Platz auf der Palliativstation erhält, hängt oft weniger vom individuellen Bedarf ab, sondern davon, welche Kapazitäten vor Ort verfügbar sind. Hier ist ist auch die Rolle von SozialarbeiterInnen als Lotsen und Netzwerker wichtiger denn je.
  3. Spezialisierung ist nicht alles: Die Studie mahnt, dass wir die allgemeine Versorgung (durch Hausärzte und Pflegedienste) stärken müssen, denn die Zahlen in der AAPV sind rückläufig! Die stark ansteigende SAPV sollte eigentlich nur dort unterstützen, wo es komplex wird, kann aber eine flächendeckende hausärztliche Begleitung nicht ersetzen.

Der pallCompare Monitor: Daten für Ihre Region

Möchten Sie wissen, wie die Kennzahlen in Ihrem Landkreis aussehen? Das Projekt hat ein interaktives Datenportal erstellt. Hier können Sie regionale Unterschiede und Entwicklungen selbst nachschlagen:

Zum pallCompare Monitor: https://www.bifg.de/projekte/pallcompare

Im Ergebnis bestärken die Daten dabei, das „hospizliche Versprechen“ frühzeitig in die Familien zu tragen. Im Grunde sind Kompetenzaufbau bei Angehörigen und eine enge Vernetzung mit den Hausärzten der Schlüssel, um belastende Interventionen am Lebensende zu reduzieren.

Tipps für die Koordinatorin:

  • Gesprächsstoff: Nutzen Sie die Daten (z.B. den späten Versorgungsbeginn), um in regionalen Netzwerktreffen für eine frühere Einbindung von Hospizdiensten zu werben.
  • Ehrenamt-Briefing: Geben Sie die Info zum Thema „Sicherheitsempfinden“ an Ihre Ehrenamtlichen weiter. Deren Präsenz allein trägt massiv dazu bei, dass Angehörige sich sicherer fühlen und seltener in Panik den Notruf wählen.

Zum weiterlesen:

pallCompare: Ergebnisse aus der Versorgungsforschung für eine bedarfsgerechte Versorgung am Lebensende in Deutschland

https://www.aerzteblatt-thueringen.de/pdf/thu2603_016.pdf

Ambulante Formen von Palliativversorgung als Prädiktoren für Ergebnisqualität und Kosten regionaler Versorgung am Lebensende in Deutschland:

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1865921725001151

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