Bringen weitere Maßnahmen realistischen Nutzen? Gemeinsam verantwortungsvoll handeln mit Furore , dem Futility Tool
Im Alltag von Hospizdiensten, Pflegeeinrichtungen und der palliativen Versorgung begegnet uns ein Thema, das oft unausgesprochen bleibt – und gerade deshalb besondere Aufmerksamkeit verdient: die Frage nach der Sinnhaftigkeit medizinischer Maßnahmen am Lebensende.
Der Begriff „Futility“ beschreibt Situationen, in denen diagnostische oder therapeutische Maßnahmen zwar technisch möglich sind, für die betroffene Person aber keinen realistischen Nutzen mehr bringen – oder sogar zur Belastung werden. Gerade in der geriatrisch-palliativen Versorgung ist das keine Ausnahme, sondern Teil des Alltags: bei Menschen mit Multimorbidität, fortgeschrittener Demenz oder begrenzter Lebenszeit.
Dabei geht es nicht um ein „Mehr oder Weniger“ an Medizin, sondern um das richtige Maß. Was hilft wirklich? Und was verlängert lediglich den Prozess des Sterbens, ohne Lebensqualität zu erhalten oder zu verbessern?
Wenn Maßnahmen ihren Sinn verlieren
Futility zeigt sich selten eindeutig. Häufig beginnt es mit einem Gefühl im Team: dass etwas „nicht mehr passt“, dass Maßnahmen zwar fortgeführt werden, aber keinen erkennbaren Gewinn bringen.
Typische Situationen können sein:
- Wiederholte Krankenhauseinweisungen ohne nachhaltige Verbesserung
- Invasive Maßnahmen bei sehr begrenzter Prognose
- Therapien, die aus Routine fortgeführt werden („das haben wir immer so gemacht“)
- Maßnahmen, die von Betroffenen abgewehrt werden oder sichtbar belasten
- Unsicherheit oder unterschiedliche Einschätzungen im Team
Solche Situationen entstehen selten durch individuelles Fehlverhalten. Vielmehr spiegeln sie strukturelle Routinen, Unsicherheiten oder fehlende Kommunikation wider.
Warum das Thema so wichtig ist
Nicht erkannte oder nicht angesprochene Futility hat weitreichende Folgen:
- unnötige Belastung und Leid für die Betroffenen
- Verlust von Lebensqualität und Selbstbestimmung
- moralischer Stress im Team
- Unsicherheit im Umgang mit rechtlichen und ethischen Fragen
- Vermeidung wichtiger Gespräche über Sterben, Abschied und Wünsche
Futility ist daher kein Randthema – sondern ein zentraler Indikator dafür, wie gut es gelingt, Versorgung wirklich am Menschen auszurichten.
Ein Werkzeug für die Praxis: „Furore“
Um Teams in dieser anspruchsvollen Reflexion zu unterstützen, wurde das Poster
„Furore: Futility-Risiko-Reduzieren“ entwickelt.
Es bietet eine strukturierte Grundlage, um im interprofessionellen Austausch zentrale Fragen zu stellen:
- Dient die Maßnahme wirklich dem Wohl der betroffenen Person?
- Entspricht sie ihren Werten und Zielen?
- Gibt es Alternativen im Sinne palliativer Versorgung?
- Wird aus Überzeugung gehandelt – oder aus Routine, Unsicherheit oder Druck?
Das Poster lädt dazu ein, innezuhalten, Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam tragfähige Entscheidungen zu entwickeln.
Gerade für Koordinatorinnen, ehrenamtliche Begleiterinnen und Pflegekräfte kann es helfen, Beobachtungen anzusprechen, ethische Fragen zu formulieren und die Gesprächskultur im Team zu stärken.
Unser Angebot
Das Poster „Furore“ können Sie in verschiedenen Mengen bei uns bestellen und direkt in Ihrem Team einsetzen – als Impuls für Fallbesprechungen, Teambesprechungen oder Fortbildungen.
Denn: Futility zu erkennen, zu benennen und gemeinsam damit umzugehen, ist keine Zusatzaufgabe. Es ist ein wesentlicher Bestandteil guter palliativer Haltung und professioneller Sorge.
Zum Weiterlesen:
Plakat FURORE – der hospiz verlag
