die hospiz zeitschrift – Ausgabe 79

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Schwerpunktthemen
11. Dezember 2018

die hospiz zeitschrift Ausgabe Nr. 79 (04/2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

vernetzte und vernetzende Sorge am Lebensende – deren Bedeutung gesundheitspolitisch durch das neue Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) und in diesem Heft hervorgehoben wird – ist geprägt von Ambivalenzen. Die Fragen sind berechtigt, ob Netzwerkentwicklung und die Koordination von ganzen Gesundheitsregionen nicht von den existentiellen Fragen der Sterbenden wegführt, ob nicht die Technokratie überhand nimmt, wir damit gemeinsam die unmittelbare Berührung mit dem Sterben vermeiden. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Intensivierung koordinierter gemeinsamer Sorgepraxis, in geteilter Verantwortung, von Betroffenen, ihren Familien und Freunden, den Profis und Ehrenamtlichen lebensnahe Umgänge mit den Widersprüchlichkeiten des Lebens und Sterbens ermöglichen. Glücksmomente trotz Zeiten des Leidens, intensive Beziehungserlebnisse trotz stationärer Betreuung, Entlastung trotz Dauerlast, gelebte Intimität trotz öffentlicher Versorgung, existentielle Tiefe trotz vieler Betreuungspersonen, sorgende Beziehungen trotz Verbetriebswirtschaftlichung der Versorgung. Wie lebensnah oder lebensfern Sorge am Lebensende stattfindet, hängt maßgeblich davon ab, inwieweit die Menschen und Organisationen im Netz grundlegende Säulen gemeinschaftlicher Sorge teilen und pflegen. Koordination von Netzwerken bedeutet dann das Fördern gemeinsamer Sorgekultur.

Die Beiträge spiegeln das notwendige Ringen um den Umgang mit den unlösbaren Spanungsfeldern wider. Sie spüren den Zutaten der Sorgekultur mit ihren strukturellen Voraussetzungen in Netzen und Organisationen nach, der Zeit, der Achtsamkeit, der Resonanzfähigkeit. Politische und ökologische Rahmenbedingungen werden ebenso beleuchtet wie Fragen der Sozialraumorientierung und der Zukunft des Ehrenamtes in der Palliativarbeit. Der Blick in die Zukunft kann nicht ohne kritische Reflexion der Robotik, Technikentwicklung und Ökonomisierung von Sorge geschehen. Was dazu beitragen könnte, dass bei all dem der einzelne Mensch am Ende seines Lebens nicht aus dem Blick gerät, vielmehr sein Leben und seine Geschichten – als Ausgangspunkt der Sorge – zählen, wird in einem Gespräch über die Care Ethik und Denkimpulsen aus der Philosophie besonders deutlich.

Liebe Leserin, liebe Leser, dieser bunte Strauß der Nachdenklichkeit über vernetzte und vernetzende Sorgekultur am Lebensende hat keine Antwortblümchen dabei, er besteht mehr aus Frageröschen. Wir hoffen trotzdem, dass sie an seinem Duft ebenso Gefallen finden, wie wir es, im Dialog mit den AuorInnen, getan haben.

Ihre Veronika Schönhofer-Nellessen         Ihr Klaus Wegleitner

 

Am Ende zählt der Mensch?
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