die hospiz zeitschrift – Ausgabe 86

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Schwerpunktthemen
15. Juni 2020

die hospiz zeitschrift Ausgabe Nr. 86 (02/2020)

Menschen, so heißt es, sterben so, wie sie gelebt haben. Dies lässt sich in zweierlei Hinsicht verstehen: Einerseits ist Sterben immer ein höchst individuelles und zutiefst persönliches Geschehen, welches jede*r von uns, spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem keine Kommunikation mit einem anderen mehr möglich ist, für sich und nur für sich selbst erleben wird. Andererseits erfolgt das Sterben in jeder Gesellschaft, je nach Kultur und historischer Epoche, unter ganz unterschiedlichen Rahmenbedingungen. Rahmen geben Orientierung und führen zu Strukturen, indem sie Handeln anleiten und verstetigen. Sie produzieren mithin Ordnung – konkret: die institutionell-organisatorische Ordnung von Sterben (und Tod). Wie aber kann sich Individualität in solchen Ordnungen wiederfinden bzw. wie ist die institutionell-organisatorische Ordnung des individuellen Sterbens zu gestalten? Was braucht es, damit Sterben nicht an die Ecken und Kanten von An- und Verordnungen stößt, aber auch nicht völlig ohne jedes In-der-Ordnung-Sein aus allen Fugen und aus der Fassung gerät? „Qualitätsmanagement“, ursprünglich aus der produzierenden Industrie kommend, scheint für Organisationen schlechthin, aber auch und vor allem im Gesundheitswesen, ein Zauberwort zu sein. „Hilfe“, schreien die einen, „das passt doch nicht zur Hospizarbeit“. „Endlich“, setzen die anderen dagegen, „etwas, was uns Sicherheit gibt“ – zumal angesichts all der unvermeidlichen Ungewissheiten und Unsicherheiten des Sterbens.

Alle wollen es ‚richtig‘ machen – die An- und Zugehörigen, die Helfenden und Begleitenden und nicht zuletzt mitunter auch der/die Sterbende selbst. Vielleicht müssen wir uns im Letzten mit der Einsicht bescheiden, dass manches vor dem, beim und im Sterben geregelt, sortiert, ge- und verordnet werden kann, manches oder gar das meiste aber nicht. Gerade die jüngsten Geschehnisse seit dem Frühjahr dieses Jahres zeigen uns, wie fragil unsere gesellschaftliche ‚Ordnung des Sterbens‘ ist.

Wir freuen uns daher, in der vorliegenden Ausgabe der hospiz zeitschrift einige, wie wir hoffen, interessante Ein-, Hin- und Ausblicke geben zu können, die uns helfen, mit der letzten und tiefsten Hilflosigkeit angesichts des Sterbens ein wenig leichter umzugehen – auch wenn in diesem Heft die aktuellen Entwicklungen seit dem Frühjahr noch keinen konkreten Niederschlag haben finden können. Gleichwohl wird aus den unterschiedlichsten Perspektiven und von verschiedenen Berufsgruppen sowohl die gesellschaftliche Anforderung als auch die gar nicht seltene große Sehnsucht beleuchtet, das Sterben irgendwie zu fassen, zu gestalten und ‚in Ordnung‘ zu bringen.

„Sterben braucht Ordnung“ – was kein Widerspruch sein muss zu dem, was Mascha Kaleko in ihrem wunderbaren Gedicht „Rezept“ beschreibt:

Zerreiß deine Pläne. Sei klug
Und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
Im großen Plan.
Jage die Ängste fort
Und die Angst vor den Ängsten.

Sterben braucht Ordnung
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