die hospiz zeitschrift – Ausgabe 75

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15. Dezember 2017

die hospiz zeitschrift Ausgabe Nr. 75 (05/2017)

Liebe Leserinnen und Leser,

Am Beginn der modernen Hospizbewegung stehen zwei charismatische Frauen – Dame Cicely Saunders und Elisabeth Kübler-Ross. Beiden ist es gelungen, jeder auf ihre ganz besondere Weise, das Schweigen rund um Sterben, Tod und Trauer, und das Schweigen rund um die Sterbenden zu brechen. Cicley Saunders entwickelt Mitte der 1960er Jahre das bis heute für Palliative Care so zentrale Konzept „Total Pain“. Sie erläutert die Prinzipien von Total Pain in der Zeitschrift „Nursing Mirror“ auf Basis von einem Gespräch mit Mrs. Hinson, einer schwer krebskranken Patientin in St. Joseph`s Hospice in London. Das Gespräch mit Mrs. Hinson wird auch heute noch weitreichend in der Palliative-Care-Literatur und in Weiterbildungen zitiert. Etwa um dieselbe Zeit begann Elisabeth Kübler-Ross in der Universitätsklinik in Chicago Gespräche mit sterbenden Menschen zu führen, die sie 1969 erstmals in dem Band „On death and dying“ (Deutsche Übersetzung: Interviews mit Sterbenden) veröffentlicht. Auch Kübler-Ross baut ein bedeutendes Konzept auf den Gesprächen mit Sterbenden auf: die fünf Phasen der Trauer.
Palliative Care ist ein Ansatz, der sich durch mehrere Prinzipien auszeichnet. Wir haben Ende der 1990er Jahre am Institut für Palliative Care und OrganisationsEthik folgende „IFF-Prinzipien“ für Palliative Care benannt: Interprofessionalität, Interdisziplinarität, Interorganisationalität, Interreligiosität und – im Zentrum das wichtigste Prinzip – die radikale Patientenorientierung. Die Betroffenen – PatientInnen, KlientInnen, Gäste – und ihre Angehörigen stehen im Zentrum aller Bemühungen in Palliative Care.

Aus einer Public-Health-Perspektive bedeutet „radikale Patientenorientierung“, dass Sorgekultur von den Betroffenen her gedacht und Hospiz- und Palliativversorgung von den Betroffenen her geplant wird. Voraussetzung ist, dass bekannt ist, was die Betroffenen wünschen, dass die Betroffenen eine Stimme haben und gehört werden. Diesem besseren Verständnis der Bedürfnisse der Sterbenden, dem, was sie zu sagen haben, und den Fragen, wie Menschen, die sich für Praxis und Forschung in Hospiz- und Palliative Care engagieren, gut mit den Sterbenden ins Gespräch kommen können, ist diese Ausgabe der Hospizzeitschrift gewidmet.

Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre mit dieser Ausgabe der hospizzeitschrift.

Ihre
Katharina Heimerl

 

Gespräche mit Sterbenden
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