Sicher im Thema, empathisch in der Vermittlung: Das neue „Mit-Gefühlt“ für die Aus- und Fortbildung
Vor wenigen Wochen ist die grundlegend überarbeitete 4. Auflage des Curriculums „Mit-Gefühlt“ erschienen. Wir haben mit dem Autorenteam – Gerda Graf, Dr. Klaus Maria Perrar, Helga Schneider-Schelte und Carmen Schröder-Meißner – über die Neuerungen und den besonderen Ansatz gesprochen.
Warum eine Neuauflage?
Dr. Klaus Maria Perrar: Es war schlicht an der Zeit. Wir greifen heute auf 25 Jahre Erfahrungswissen und aktuellere Forschungsdaten zurück. Zudem hat die Nationale Demenzstrategie der Bundesregierung die Versorgungssituation in den Fokus gerückt. Nach drei Jahren intensiver Arbeit präsentieren wir nun ein stark erweitertes Curriculum für die Begleitung in der letzten Lebensphase.
Was ist neu in der 4. Auflage?
Helga Schneider-Schelte: Wir haben eine neue Struktur geschaffen, die die Durchführung erleichtert. Das Curriculum umfasst nun elf Module mit insgesamt 44 Stunden. Neu ist, dass wir auch Menschen im frühen und mittleren Stadium einbeziehen. Jedes Modul bietet fertige Methodenvorschläge – von Gruppenarbeit über Filme bis hin zu Selbsterfahrung.

Ein „Aufbaucurriculum“ für Herz und Verstand
Gerda Graf: Im Basiskurs für Hospizbegleiter steht meist die verbale Kommunikation im Fokus. Menschen mit Demenz benötigen jedoch einen anderen Zugang: Sie verstehen weniger und fühlen mehr. Unser Curriculum vermittelt das Verständnis für nonverbale Gesten und die „gefühlte Wahrheit“. Es geht um eine Haltung gegenüber Menschen, die über den Verstand nicht mehr erreichbar sind.
Praxisnähe „Out of the Box“
Carmen Schröder-Meißner: Die Module sind extrem praxisorientiert. Das große Methodenspektrum hilft Kursleitungen, Inhalte selbsterlebend zu vermitteln. Das gibt Sicherheit im Umgang und lässt die Begleitung selbstverständlicher werden.
Helga Schneider-Schelte: Wir nutzen bewährte Methoden wie die „Timeline“ (Zeitschiene) oder Kartensets. Bilder sagen oft mehr als Worte. Wichtig ist: Die Methoden sind kein Selbstzweck, sondern Türöffner für neue Blickwinkel.
Ein Gewinn für alle Beteiligten
Was können Einrichtungen und Teilnehmende konkret erwarten? Das Autorenteam fasst zusammen:
- Höhere Lebensqualität: Ein verbesserter Umgang wirkt sich direkt auf das Wohlbefinden der Erkrankten aus.
- Sicherheit im Alltag: Spannungen und Unsicherheiten nehmen ab. Wer die „Sprache“ der Demenz versteht, bleibt handlungsfähig.
- Weniger Interventionen: Eine veränderte Haltung führt nachweislich zu weniger unnötigen Krankenhauseinweisungen und Medikamenten.
- Wahrung der Würde: Das Curriculum basiert auf der Überzeugung, dass Demenz nicht den Verlust des „Person-Seins“ bedeutet.
Fazit: „Mit-Gefühlt“ ist das Aufbau-Curriculum für eine Kursfortbildung mit ca. 44 Stunden, um die Teilnehmer zu befähigen, Menschen mit Demenz würdevoll zu begleiten. Genau dort, wo sie zu Hause sind – ob in der eigenen Familie, im Heim oder auf der Palliativstation.
Das vollständige Curriculum ist über den Hospiz Verlag sowie die beteiligten Fachverbände (DHPV, DGP, Deutsche Alzheimer Gesellschaft) erhältlich.
