Die Evangelische Kirche scheint uneins

Während die katholische Kirche eindeutig und strickt den assistierten Suizid ablehnt, herrscht in der evangelische Kirche scheinbar nicht die gleiche Einigkeit.

Eine Gruppe hochrangiger evangelischer Theologen, unter Ihnen der Diakoniepräsident Ulrich Lilie und der Landesbischof von Hannover, Ralf Meister sind mit Ihrem Vorschlag an die Öffentlichkeit gegangen (Gastbeitrag in der FAZ vom Montag, 11.1.2021): Sie fordern in diakonischen Einrichtungen die bestmögliche medizinische und pflegerische Palliativversorgung ein, aber zugleich dürften sich die Einrichtungen nicht dem frei verantwortlichen Wunsch der Menschen in den Einrichtungen verweigern, wenn diese ihr Leben mit ärztlicher Hilfe beenden wollten.

In ihrer Stellungnahme wiesen die ev. Theologen darauf hin, dass sie alle Menschen, auch diejenigen, die trotz aller Angebote den assistierten Suizid wählen würden, begleitet würden. Sie begründeten ihren Vorstoß, in diakonischen Einrichtungen speziell ausgebildete interdisziplinäre Teams dafür einzusetzen, mit der Durchsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Februar 2020 (Nichtigerklärung des § 217 StGB). Ihrer Meinung nach müsste das im Urteil explizit erwähnte Recht auf selbstbestimmtes Sterben auch in diakonischen Einrichtungen befolgt werden. Zudem plädieren die Verfasser des Beitrages in der FAZ dafür, dass Sterbewilligen sich vorab von einer anerkannten Stelle beraten lassen sollten.

Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hingegen lehnt jede organisierte Hilfe zum Suizid ab, so der Sprechen der EKD.

Einen Tag später gab es auch eine Äußerung von politscher Seite. Der Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Herrmann Gröhe,  äußerte gegenüber dem Ev. Pressedienst: „Wer Selbsttötungshilfe zum geregelten Angebot macht, schwächt die eigenen Möglichkeiten, auch in schwieriger Lage zum Leben zu ermutigen.“ Weiterhin sagte er, dass vor dem Hintergrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes (Nichtigerklärung des § 217) es nun wahrlich nicht bedeuten würde, dass solche Selbsttötungshilfe in diakonischen Einrichtungen zum geregelten Angebot werden sollten.  Der CDU-AbgeordneteAlexander Krauß forderte gar den Rücktritt des Diakonie-Präsidenten Ulrich Lilie. Aber der zuständige Bundesminister schweigt weiterhin bei diesem Thema, die Kakophonie geht weiter.

Den FAZ-Text vom 11.1.2021 dazu finden Sie unter:Theologen für Sterbehilfe in kirchlichen Einrichtungen (faz.net)

2 Antworten auf den Beitrag “Die Evangelische Kirche scheint uneins

  • Alexander Kull

    Ich finde den Weg absolut korrekt und nachvollziehbar. Man muss sich damit abfinden, dass man den Willen der Menschen bei diesem Thema nicht einfach unter dem Deckmantel des Glaubens wegwischen kann… Hier muss eine offene Diskussion stattfinden und alle Argumente müssen gehört werden.

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  • Debuschewitz

    Mein Wunsch ist, das Thema Suizid in jeglicher Altersstufe langsam aus der Tabu-Zone zu holen und zur offenen Auseinandersetzung anzubieten. So könnten lösungsorientierte Möglichkeitsräume entstehen. Bisher wird all zu oft nur mit vorgehaltener Hand vorm Mund und schambesetzt über Suizid gesprochen.

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