die hospiz zeitschrift – Ausgabe 78

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28. September 2018

die hospiz zeitschrift Ausgabe Nr. 78 (03/2018)

Liebe Leserinnen und Leser,

Zum gesunden menschlichen Leben gehört es, leben zu wollen. Der Lebenswille ist lebensnotwendig und wird uns sozusagen in die Wiege gelegt. Doch wissen wir auch, dass wir alle sterben müssen. Letzteres im Blick, haben viele Menschen den Wunsch klarzulegen, wie ein „gutes“, ein „würdevolles“ Sterben für sie aussehen soll. Wie das Sterben dann – trotz oder auch jenseits aller Vorausverfügungen – letztendlich verläuft, wie wir sterben, bleibt bis zum letzten Atemzug offen. Es bleibt geheimnisvoll, da es sich einer Kontrolle vielfach entzieht, schlicht, weil es Teil des Wagnisses Leben ist. Etwas Verborgenes für den sterbenden Menschen, für die An- und Zugehörigen, für die Professionellen wie auch die Ehrenamtlichen. Vielleicht ist es gut, dies bei allen sinnvollen Entscheidungen zur Vorsorge anzuerkennen und ein Stück weit das Geheimnisvolle des Sterbens zu bewahren.

Wichtig ist indes, dass Menschen sich darauf verlassen können, dass das Sterben, die letzte Lebenszeit gut begleitet wird, professionelle Symptomlinderung erfolgt und jegliche Therapie- und Pflegemaßnahme professionell und auch ethisch verantwortungsvoll abgewogen und anstehende Entscheidungen im Sinne des entscheidungsfähigen ebenso wie des nichteinwilligungsfähigen Menschen am Lebensende getroffen werden, dann wenn die/der Betroffene seinen Willen nicht mehr selbst durchsetzen oder ausdrücken kann.

Insbesondere in der letzten Lebensphase eines Menschen rückt die Bedeutsamkeit der Orientierung an der jeweils individuellen Lebensqualität in den Mittelpunkt aller Entscheidungen. Christof Müller-Busch greift in diesem Kontext den Begriff der Letztverlässlichkeit auf, den er als eine „Haltung“ bezeichnet, „die die Erschütterung der Zeit in der Phase des Abschieds als gemeinsame Herausforderung aufnimmt.“

Letztverlässlichkeit ist auch Thema der gesundheitlichen Versorgungsplanung bzw. des „Advance Care Planning (ACP)“. Die übergeordnete Intention der gesundheitlichen Versorgungsplanung ist eine auf persönlicher Wertereflexion aufbauende Auseinandersetzung mit möglichen zukünftigen Krankheits- und Behandlungs-
szenarien. Dies kann als Stärkung von Autonomie und Lebensqualität wahrgenommen werden (Vgl. GKV-Spitzenverband 2017, 3) und somit die Letztverlässlichkeit in Bezug auf das eigene Lebensende – soweit als möglich – in einen tragfähigen und verlässlichen Rahmen einbinden. Wohl wissend, dass eine Diskrepanz – zwischen dem wie wir sterben wollen und wie wir letztendlich sterben – möglich ist.

Wir wünschen den Leserinnen und Lesern eine aufschlussreiche Lektüre. Wenngleich wir nicht wissen, wie wir sterben, so können die Ausführungen einen Impuls dahingehend eröffnen, einmal darüber nachzudenken, wie wir sterben wollen oder vielleicht auch, wie wir nicht sterben wollen.

Ihre Annette Riedel         Ihr Josef Raischl

 

Wie wir sterben wollen
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