Grenzen – Ein Kommentar.

 

 

Heute erhielt ich ein Email von „Tanja aus Erlangen“. Ich kenne keine Tanja aus Erlangen, aber natürlich habe ich mir die Email angesehen, man vergisst ja doch so einiges. Tanja machte mit ein Angebot, denn Tanja möchte, dass ich meine Lieben schütze. Das ist nett von Tanja. Tanja weiß auch wie „hoch emotional“ und was für eine „schwere Zeit auf meine Angehörigen zukommt“. Tanja ist mitfühlend und weil das so ist, hilft Tanja mir – mit einer „Trauerfall-Vorsorge“, ohne Wartezeit, ohne Gesundheitscheck. Tanja mag mich. So kann ich für meine Hinterbliebenen sorgen – indem ich im Voraus meine Beerdigung an eine Versicherung zahle.

 

Ok so? Nein. Wenn Menschen für Ihre Bestattung vorsorgen möchten, ist das verständlich und wer möchte, solle dies bitte auch so machen. Auch Unternehmen, die dort ein Geschäftsmodell entdeckt haben, gehören zu unserer heutigen Gesellschaft und sind auch legitim. Aber warum komme ich mir dennoch „übers‘ Ohr gehauen“ vor? Weil hier Dinge vermischt werden, die so nicht vermischt werden dürfen. „Trauerfall-Vorsorge“ ist ein Geschäftsmodell von Versicherungen, es geht hier nur und ausschließlich um Geld und um das Geld-Verdienen von Versicherungskonzernen, nicht um Sorge. Und eigentlich geht es um eine Wette: Je jünger der Versicherungsnehmer, desto günstiger die Prämie – denn je jünger, desto länger lebt der Versicherungsnehmer und zahlt deshalb länger, d.h. mehr Geld ein. Pech für die Versicherung, wenn ein Mensch jung verstirbt, aber das hat die Versicherung bereits berechnet und ist Bestandteil der Prämie.

Die Emotionen und Ängste der Menschen, meine Liebe zu meinen Angehörigen und besonders zu meinen Kindern mit angeblicher Sorge, die sich aber als reines Gewinnstreben der Versicherungen entpuppt, zu vermischen, das ist nicht ok.

Und warum erhalte ich gerade in Corona-Zeiten ein solches Email? Der Vertrieb der Versicherungen läuft auf Hochtouren, denn jetzt wird die Angst der Menschen vor dem Tod genutzt.

Übrigens, Tanja wusste sogar, dass ich eine Frau bin…Hoffentlich weiß sie in ein paar Jahren nicht, wie alt ich bin, welche Schuhgröße ich habe und wer meine Freunde sind…

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