“Village Alzheimer”

Leben bis zuletzt – aber wie? Diese Frage stellt sich ganz besonders bei Menschen die an einer demenziellen Erkrankung leiden. In Südfrankreich ist nun ein neues Dorf für Menschen mit Demenz entstanden. Die Idee ist nicht neu, wir kennen, und haben bereits darüber berichtet (hospiz zeitschrift Nr. 60, Ausgabe 2/2014), beispielsweise das „Demenz-Dorf Hogeweyk“. Doch dieses Pilotprojekt ist das erste seiner Art in Frankreich.

Am Rande des südfranzösischen Ortes Dax ist nun ein „Dorf“ entstanden, in dem nur Menschen mit einer Demenzerkrankung leben. Dieses Dorf  zählt 120 Einwohner, hinzu kommen zwei Begleiter*innen pro Wohneinheit in der 24-Stunden-Betreuung. In einer Wohneinheit, einem eigenständigen Bungalow, leben zwischen sechs und acht Personen – so lange wie möglich auch selbstbestimmt. Das Dorf hat alles, was die Bewohner*innen zum Leben brauchen, auch einen Einkaufsladen und ein eigenes Dorf-Lokal. Dort treffen sich die Menschen nach dem Einkauf auf ein „Schwätzchen”, der es wird dort Karten gespielt; einzige Abweichung zur normalen Dorfkneipe: es gibt keinen Alkohol.

Die für das Dorf zuständige Ärztin betreut die Menschen dort regelmäßig; ihr Credo ist, die Menschen in ihrem eigenen Rhythmus leben zu lassen und die Menschen in ihren Lebenswelten leben zu lassen.

Die Bewohner zahlen 2000 Euro im Monat, der Mehraufwand wird vom Staat finanziert. Wer das nicht aufbringen kann, bezahlt weniger.

Video: Das Alzheimer-Dorf Dax – Weltspiegel – ARD | Das Erste

2 Antworten auf den Beitrag ““Village Alzheimer”

  • Prof. Dr. med. Andreas Zieger

    Ich möchte kritisch hinterfragen, ob und wie eine solche dörfliche Abgeschiedenheit, bei allem “geselligen” Charme und bei aller alltäglichen “Beruhigung”, die sie für uns haben mag, für diese Menschen, die als soziale Wesen auch in der Demenz auf soziale und gesellschaftliche Kontakte und eine Orientierung auf das allgemeine, mitmenschliche und nicht abgeschiedene Leben, angewiesen sind, dem Partizipations- und Teilhabegedanken gerecht werden kann? Noch kritischer: Ist das eine neue Form von „dörflicher“ Ghettoisierung und „geselliger“ Isolation? Warum sollte es eine Wertegemeinschaft nicht schaffen, Menschen aller Beeinträchtigungen in der Gesellschaft aller zu halten und somit vielfältig und würdevoll zu versorgen?

    Oldenburg, den 23.6.2021

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  • Birgitta Neumann

    Sehr geehrter Dr. med. Zieger,

    danke für Ihre kritische Nachfrage zu dem als “Neuheit” vorgestellten “Demenzdorf . Genau das hatte ich, als ehemalige Geschäftsführerin der Alzheimer-Gesellschaft Brandenburg e.V.Selbsthilfe Demenz, gedacht. Das Wegschließen, Separieren ist offensichtlich wieder auf dem Vormarsch. Es ist erstaunlich, dass dies so wenig Widerspruch dazu gibt!

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