Wege aus der Einsamkeit

 

Großbritannien hat es schon und Berlin möchte es – ein Ministerium für Einsamkeit. Einsamkeit sei eine der größten Herausforderungen unserer Zeit im Bereich Public Health, so die damalige britische Premierministerin Theresa May. „Heute gibt es viel zu viele Menschen, bei denen die Einsamkeit die traurige Realität des modernen Lebens ist.“ Anlass für die Einführung des Ministeriums für Einsamkeit war der Einsamkeitsreport der Jo-Cox-Kommission* aus dem Jahr 2017. Dieser Bericht offenbarte, dass sich 9 Mio. Briten oftmals oder immer einsam fühlen. Das sind 14 Prozent der Bevölkerung – zu viele, um sie alleine zu lassen.

„Der Zerfall der Kernfamilien und die mangelnde Verbindlichkeit am Arbeitsplatz sind nur einige der Gründe, warum die Einsamkeit in den letzten Jahren so stark gestiegen ist“, so ein Professor der renommierten London School of Economics. Nirgends in der EU gibt es mehr Single-Haushalte als in Großbritannien.

Aber nicht nur alte Menschen, sondern auch junge Menschen oder junge Mütter sind von Einsamkeit betroffen. Gründe dafür werden in den massenhaften Kürzungen und/oder Schließungen von sozialen Einrichtungen für Mütter, Jugendzentren und der öffentlichen Bibliotheken gesehen.

Tracey Crouch leitet nun seit Anfang des Jahres das Ministerium für Einsamkeit. Erstes Ziel ist nun, mit Hilfe von 12 Mitgliedern ihres Ministeriums in Großbritannien und im Ausland Kommuneninitiativen anzusehen und zu bewerten, die innovativ Konzepte gegen Einsamkeit praktizieren.  Auch denkt die Ministerin über neue generationenübergreifende Wohnformen nach. Und die Ministerin ist sich im Klaren: Es wird keine einfachen Lösungen geben, sondern viele Ursachen benötigen viele unterschiedliche Lösungen.

Berlin möchte nun nachziehen. Berlin nimmt die Spitzenposition in Deutschland bezüglich der Single-Haushalte ein. 54,3 Prozent aller Haushalte in Berlin sind Ein-Personen-Haushalte, der Bundesdurchschnitt liegt bei ca. 40 Prozent. In ca. 23 Prozent dieser Haushalte wohnen Menschen, die älter als 65 Jahre sind. Nach einem Bericht der taz sterben in Berlin jährlich ca. 300 Menschen unbemerkt in ihrer Wohnung.  Einsamkeit ist ein Thema in Berlin. Der Gedanke, dieses Thema gesellschaftspolitisch auf die Agenda zu nehmen, ist bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. Aber der Weg zu einer bedürfnisorientierten Sorge um Mitmenschen, die dieser Sorge bedürfen, ist noch ein weiter Weg.

Hilfe kommt auch von den Grünen Damen und Herren. Sie feiern in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum und möchten Ihr Engagement auch in Berlin ausweiten. Grüne Damen und Herren betreuen kranke und hilfebedürftige Menschen in Krankenhäusern und Altenheimen.

Nähere Informationen zum Thema Ministry of Loneliness finden Sie unter:

https://time.com/5248016/tracey-crouch-uk-loneliness-minister/

Mehr über die Grünen Damen und Herren unter: https://www.ekh-deutschland.de

* Jo Cox war eine britische, dem linken Flügel der Labour-Partei zuzurechnende Parlamentsabgeordnete, die 2016 von einem Rechtsextremisten während der Brexit-Kampagnen ermordet wurde. Cox war das geistige Sprachrohr für Menschen, die in ihrer Einsamkeit Hilfe benötigten. Laut einer britischen Studie fühlen sich mehr als die Hälfte der britischen Eltern nach der Geburt des ersten Kindes isoliert. Cox schaffte es, dass daraufhin eine Kommission eingerichtet wurde, die nach ihrem Tod in die Cox Kommission über Einsamkeit umbenannt wurde.

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