Wenn der Anfang zugleich zum Ende des Lebens wird

Seit dem 01. Juli 2022 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten für einen vorgeburtlichen Bluttest bei Schwangeren. Diesen Beschluss fasste der Gemeinsame Bundesausschuss des Gesundheitswesens, zu dem Ärzt*innen, Kliniken und Kassen gehören.

Doch dies wird damit nicht zur Routineuntersuchung. Der Bluttest soll nur in begründeten Einzelfällen bei Schwangerschaften mit besonderen Risiken eingesetzt werden. Die Schwangeren sollen über diesen nicht-invasiven Pränataltest (NIPT) umfassend informiert werden und die Entscheidung, ob dieser Test durchgeführt werden soll, wird gemeinsam mit dem Arzt*in getroffen. Diese Beratung durch den Arzt*in soll Voraussetzung sein, damit der Bluttest von der Krankenkasse übernommen wird, denn diesen Test gibt es bereits seit 2012, nur war er bis jetzt kostenpflichtig.

Diese Entscheidung ist nicht unumstritten, denn bei dieser Untersuchung wird das Erbgut des Kindes untersucht. Dabei können einige genetisch bedingte Krankheiten erkannt werden. Dazu gehören Trisomie 13, 18 und 21. Die Blutentnahme erfolgt aus der Armvene der Mutter ab der zehnten Schwangerschaftswoche. Der Test gilt als sehr sicher, was das Ergebnis anbetrifft und das Risiko einer Fehlgeburt ist nicht gegeben.

Befürchtet wird, dass die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche aufgrund einer möglichen Gen-Anomalie des Kindes steigt und Mütter/Eltern, die diese Diagnose kennen und dennoch das Kind zur Welt bringen möchten, unter gesellschaftlichen Druck geraten.

Prof. Josef Hecken, Vorsitzender des GA-Gesundheitswesen, erklärte gegenüber der Presse, dass sich das Gremium die Entscheidung nicht leicht gemacht hätte, aber aus medizinischer Sicht sei es richtig, Schwangeren, die bestimmte Ängste und Unsicherheiten in Bezug auf Trisomie hätten, eine sichere Untersuchungsmöglichkeit zu geben.

Die Christlichen Kirchen und der Bundesvorstand der Lebenshilfe befürchten, dass immer mehr Menschen mit Behinderungen bereits vor der Geburt abgetrieben werden würden.

Doch sollte bedacht werden, dieser Test ist seit zehn Jahren möglich, er wird durchgeführt, nur trugen bis jetzt die Kosten die Schwangeren. Eine Zweiklassen-Medizin kann nicht die Lösung sein. Die Aufgabe liegt vielmehr in der Aufklärung über Menschen, die mit einer Trisomie leben. Sebastian Urbanski, Schauspieler mit Down-Syndrom und Mitglied des Bundesvorstandes der Lebenshilfe sagte der Presse: „Ich lebe gern und habe viel Freude am Leben. Ich bin glücklich, weil ich mich als Teil der Gesellschaft fühle und einfach dazugehöre. Manchmal brauche ich zwar etwas mehr Unterstützung, aber die braucht ja jeder mal.“

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