Ein heißes Eisen

In einem Beitrag für die Zeitschrift „Schmerzmedizin“ sprechen Matthias Thöns, Palliativmediziner, zudem deutschlandweit bekannt aufgrund seines Buches „Patient ohne Verfügung: das Geschäft am Lebensende“, und Thomas Sitte, Palliativmediziner und Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung, ein äußerst brisantes und wichtiges Thema an: Übertherapie am Ende des Lebens.

Als Übertherapie gilt eine medizinische Behandlung, die dem Patienten weder Linderung seiner Krankheitssymptome noch seiner Heilung einen Zusatznutzen erbringt. Grund für solch nutzlose und oftmals die Lebensqualität sogar vermindernde Therapien sei meist ein finanzieller. Zusätzlich erschreckend sind die Zahlen, die die beiden Autoren nennen: In den USA werden 29 Prozent, international (leider nicht genauer benannt) werden angeblich bis zu 89 Prozent der medizinischen Behandlungen als Übertherapien angegeben. Zudem stiegen diese Zahlen. Häufige Übertherapien seien Chemotherapien, Bestrahlungen, Bluttransfusionen oder sinnlose Medikation. Als Grund für diese dramatische Fehlentwicklung sehen die Autoren die vom Gesundheitssystem vorgegebenen ökonomischen Fehlanreize, mangelndes Fachwissen der Betroffenen, das Ungleichgewicht von Patienten und Ärzteschaft und die Angst der Ärzte vor Rechtsfolgen.

Bestehe ein Überangebot an medizintechnischen Behandlungsmöglichkeiten in den Krankenhäusern, so werde auch versucht, diese gewinnbringend zu nutzen. Verfahren wie die Palliativmedizin mit ihren weniger gewinnträchtigen Therapien hätten zum Leid der Patienten das Nachsehen.

Ihr Weg raus aus dem Dilemma? Thöns und Sitte empfehlen eine Patientenverfügung mit einem willens- und durchsetzungsstarken Vorsorgebevollmächtigten.

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Quelle: Schmerzmedizin, Jahrgang 35, Ausgabe 3, 2019, S. 22–26

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