Erst zu wenige, dann zu viele?

 

1986, also vor 22 Jahren wurde in Deutschland das erste stationäre Hospiz, Haus Hörn in Aachen eröffnet. Heute gibt es in Deutschland ca. 230  stationäre Hospize und allerorten werden neue Häuser geplant und gebaut.

Nun fürchten Kassen und Verbände in Niedersachsen ein mögliches Überangebot an stationären Hospizen. Dort gibt es 28 Hospize mit 227 Betten und 320 Palliativbetten. Geplant sind bis zu 22 neue stationäre Hospize, was bei einer Belegung mit acht Betten pro Hospiz zu einer Erweiterung um 176 Betten führen würde. Dies ergäbe eine Palliativ-Bettenzahl von 723 für Niedersachsen.

Betrachtet man die Empfehlungen der European Association for Palliative Care (EAPC), die eine sehr komfortable Ausstattung als angemessen ansieht, so wäre Niedersachsen mit dieser Palliativ-Bettenzahl üppig ausgestattet. Denn die EAPC schlägt pro 1Mio. Einwohner zwischen 80 und 100 Betten vor. Bei einer Bevölkerung von 7,9 Mio. Einwohnern (die Zahl stammt aus 2016) wären zwischen 632 und 790 Betten sinnvoll.

Hinzu kommen noch ca. 130 ambulante Hospize mit ca. 4.000 Ehrenamtlichen und 50 SAPV-Anbieter.

Ein nicht zu unterschätzender Punkt in der Diskussion um neue stationäre Hospize, ist das Geld. Aufgrund des neuen Hospiz- und Palliativgesetzes (HPG) müssen stationäre Hospize nicht mehr, wie vor Inkrafttreten des Gesetzes 10 Prozent selbst finanzieren, heute sind es nur noch 5 Prozent. Das heißt einerseits, dass beim Neubau und Betreiben von stationären Hospizen vom Träger einfach weniger Geld aufgebracht werden muss. Andererseits werden dadurch die Pflegekassen höheren Belastungen ausgesetzt. Somit gehen hier die Interessen auseinander.

Sinnvoll wäre deshalb eine Bedarfsplanung, die sowohl die Anzahl an Hospiz- als auch Betten auf Palliativstationen pro Bundesland, an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert, beinhaltet.

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